Mückenstark

Manche Mückenschwärme sind lästig,
umkreisen, umzingeln und saugen Dich aus.
Eine einzelne Mücke, wenn sie neben Dir
am Flussufer auf dem Stein sitzt besticht.
Wir liefen lange Wege bis zum Fluss.
Angekommen sprangen die Füße voran,
wir hinterher, kühlten die Gemüter.
Erhitzt vom Weg, die Anstrengung in den Knochen,
sanken wir auf die Felsen an der Böschung.

Filigran saß sie da, gläsern und ruhte.
Sie saß noch immer als wir unseren Weg fortsetzen.
Leicht schlugen ihre Flügel,
als wollte sie uns unter die Arme greifen.
So klein, so zart und so zerbrechlich
und doch so voller Stärke.

Ein neuer Blickwinkel
dieser  Moment
hat uns verändert.

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Schatten im Fluss

Liebevoll küsste er ihr Haar,
legte die Hand auf ihre Wange,
stand ganz still.
Lange sah sie in seine Augen,
legte ihre Hand auf seine Wange,
stand ganz still.

Aus der Stille wurde Ruhe.
Sie legte sich sachte über den Tag,
nahm sie bei der Hand,
wurde zu Gelassenheit.
Als die Gelassenheit sich breit machte,
öffneten sie sich.
Lebenslust schwang in ihren Worten,
als sie los gingen.
Liebevoll küsste die Sonne ihre Schatten,
die sie in den Fluss trugen.

Gedanken letzter Stunden

Ich sitze hier bei Dir,
sehe Dich, spüre Dich,
versuche Dir Angst zu nehmen.
Der Raum verschwindet,
Du und ich in der sicheren Hülle,
unserer Liebe bleiben.
Sekunden, Minuten, Stunden vergehen.

Ich sitze hier bei Dir,
Du schläfst.
Wenn Du erwachst,
siehst Du mich an,
mit den fragenden Augen eines Kindes,
dem man seine Welt genommen hat.
Wenn Du mich erkennst, lächelst Du,
schließt die Augen,
schläfst ein.
Ich nehme Deine Hand,
begleite Dich ein Stück,
um mich an der Pforte sanft
von Dir zu lösen.

Ich sitze hier bei Dir,
dein Weg ist kein leichter,
doch schon bald wirst Du erkennen,
wo Du ankommen wirst.

Ich sitze hier bei mir,
bleibe zurück,
mit dem festen Glauben,
das Liebe eine Kraft ist,
die uns tragen und ertragen lässt.

Zweite Haut

Leih mir deine Hand,
einen Augenblick.
Löse sie sanft,
wenn ich halte Schritt.
Leih mir dein Bein,
für einen Tritt.
Ich reich es dann Dir,
dann kommst Du auch mit.
Leih mir dein Ohr,
ich höre Dir zu.
So finden wir beide,
stets einmal Ruh.

Leih mir deine Augen,
einen Wimpernschlag.
Bis ich erkannt,
was macht aus deinen Tag.
Leih mir deine Stimme,
dass sie in mir schallt,
selbst wenn sie dort drinnen,
stets wider hallt.

Lass mich Dir leihen,
was immer Du brauchst.
Für diesen Moment,
als zweite Haut.

Das Schranktagebuch

So vieles gemeinsam gemacht,
gelacht, gewacht auch nachgedacht.
Seifenblasen flogen auf,
zwei Leben ein Lauf.

Kein Lachen ging verloren,
keine Träne die ertrank,
so lese ich am Abend,
leis für mich den Schrank.

Deine Schrift darauf beschreibt das Jahr,
das Warten sehnsuchtsvoll gebar.
Niemals möchte ich ihn missen
auch wenn ich heut
einfach rüber geh, um Dich zu küssen.

Schrank

 

Relativ liebevoll

Relativsätze schwere Kost,
die uns zusammen führte.

Verrückt, aber wenn ich daran denke,
wünschte ich mir, jeder Text,
würde aus Relativsätzen bestehen.

Er, der in Bünde geboren wurde,
lebt nun in Hessen.
Ein schönes Beispiel, das uns so viel sagt.
Wenn das Glück davon abhinge,
ich würde nur noch Relativsätze schreiben.
Flüsse würden mit Kommas gefüllt,
jeder Grashalm würde näher beschrieben.

„Warum nur darfst ausgerechnet Du
in meinen Relativsätzen wühlen?“
Frage ich mich immer wieder.

Die Gänsehaut, die mir dieser Gedanke schenkt,
macht jede Frage überflüssig, bevor sie gestellt wird.
So fasse ich nur für Dich, die Liebe in einen Relativsatz.

Die Liebe, die meine Heimat ist, finde ich in Dir.

Mein Glück ist ein dünner Mantel

Mein Glück ist ein dünner Mantel

Einst im Frühjahr
entdeckte ich ein dünnes Mäntelchen.
Vierblättrig umfing es mich,
es passte, so trug ich es mit mir fort.
Der Sommer kam, es wurde leichter
so trug ich es hindurch.
Im Herbst trieb es aus, wurde wärmer
so behielt ich es an.
Als der Winter kam,
bedeckte es sich mit Moos
hielt mich warm
bis heute.

Mein Glück ist ein dünner Mantel
und in seiner Wandlung
wandelt es mit mir durchs Leben.

 

Dein Schmunzeln

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Du siehst mich an.
Ich sehe in Dir meinen Sohn,
finde mich.

Am Tag als Deine Augen
mich verloren
ging mein Herz auf
und nahm Dich mit mir.

Wenn ich Deinem Bart,
dicht, eisgrau, nachspüre
werden meine Hände noch
immer warm.

Wird es mir schwer,
denke ich an Dein Schmunzeln
und ziehe Kraft
aus der Erinnerung.

Wie in meiner Kindheit
bist Du voraus gegangen,
damit ich die Angst
vor dem Unbekannten verliere.
Ein schöner Gedanke,
der mich schmunzeln lässt.