Weite Horizonte und warmer Sand

Sonntags ging er regelmäßig in die Kirche. Es wurde gemunkelt, er sei verheiratet.
Doch in all den Jahren, hatte man seine Frau niemals zu Gesicht bekommen.
Seine Stimme fiel auf, wenn sie warm und weich, „Danke für diesen guten Morgen“, intonierte.
So vergingen die Jahre, die Liebe zu seiner Frau aber war frisch wie am ersten Tag.

Vorfreude erfüllte ihn bei dem Gedanken, sie nach all den Jahren wieder zu sehen.
Das Strandhaus war fast abbezahlt, dann würde er sein Ticket kaufen.

Künftig wollten sie nur noch gemeinsam singen:
“ Danke für eure Kollekte, danke für was ihr uns erbaut!“

San, 27.05.2011

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Die Kunst des Kartenmischens

Seit Stunden mischte er nun schon stoisch seine Karten.
Ein Lächeln zuckte über den linken Mundwinkel ins Auge und verlosch.
Er aber nahm den Stapel auf, wiederholte mit mittlerweile autistischen Zügen den gleichen Vorgang. Nicht zu übersehen, dass ihm missfiel wie die Karten fielen.

Hoffnung glomm in seinen Augen, als er die zwei Stapel aufnahm und riffelte.
Lautlos glitten die Karten ineinander. Wie Pfirsichkerne kräuselten sich seine Lippen
und die Zornesfalte auf der Stirn beschrieb einen Blitz, der sich wutentbrannt direkt im Glückspunkt entlud.

Draußen donnerte es, als sie das Ass aus dem Ärmel vor ihm auf den Tisch legte.

 San, 23.06.2012

Der Fünf-Punkte-Plan

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Foto vom 28.09.2016

Da sitzt Du in der obersten Ecke im Bad. Dein Körper tief vergraben im immergrünen Efeu.
Eine zarte Staubschicht verleiht Patina, die davon erzählt wie lange Du bei uns bist.

Als ich meine Hand auf deinen glänzenden Rücken lege, beginnst Du wild zu rotieren, trägst meine Gedanken zurück. Ich erinnere mich wie Du damals ziellos wie ich, auf wackeligen Beinen durch die toten Räume gewandert bist.

Ganz sacht setze ich Dich zurück, zähle wie immer deine fünf Punkte nach.
Das fünfte Jahr der neuen Zeitrechnung steht vor der Tür.
Wir die wir Dich lieben sind angekommen und Marienkäfer bringen Glück!

San, 07.07.2012

Der wackelige Gesell hat auch heute noch seinen Ehrenplatz bei uns und ist mittlerweile
10 Jahre alt.

 

Mikrokosmos

Niemand betrat sein Heiligtum ungefragt und wenn doch, dann bitte nur auf sauberen Socken.
Regeln gab es jeden Tag ein paar neue und ja, selbst die Fische schwammen im Takt. Klobürsten als bösartige Keimträger waren schon lange verbannt. So trieb es ihn unruhig durch die Tage, die er dazu nutze sein Reich abzugehen und nach möglichen unliebsamen Eindringlingen Ausschau zu halten. Kleinste nicht zu diagnostizierende Wasserpartikel, wurden als Spuren unliebsamen Lebens gejagt.

Nur einmal als der Pfannkuchenteig sich unaufhaltsam seinem Schicksal ergab und sich über die gesamte Küche entleerte, kehrte für Sekunden Leben ein, bevor er es im Keim erstickte.

Geschlossene Gesellschaft

Sie schlief und es war so still, dass ihre Träume erstarrten. Der Wecker sprang eben auf ungebührliche 2 Uhr, als dunkelste, tiefste Töne sie jäh aus dem Schlaf rissen.
Drei Etagen schrumpften auf eine und hier inmitten saß sie mit Schreck geweiteten Augen.
Dramaturgie pur trieb sie die Treppe hinunter. In der Ecke erkannte sie schemenhaft das Klavier. Panik machte sich unaufhaltsam breit. Da ein Poltern, das Klavierspiel stoppte.

Sie riss den Kopf herum, bereit zur Flucht. Doch Erik war schneller und verstellte ihr den Weg. Kein Entkommen!

„Miau“, schnurrte das Phantom und lief auf leisen Sohlen in die Nacht.

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Ein Tritt mit Zuversicht

Er war klein, sehr klein. Wenn er die Arme nach oben streckte, reichte er seiner Mutter gerade mal bis eine Hand breit über die Hüfte. Kreativität wurde ihm in die Wiege gelegt, ebenso wie sein unerschütterlicher Optimismus. Er lernte mit Bedacht, seine kleine, große Welt lieben.

Die Jahre verflogen und mit ihnen wuchs sein Selbstbewusstsein.

Eines Tages, er streckte wieder einmal seine Arme, zuerst nach dem Tritt auf den er bedächtig stieg und dann nach Oben, war er angekommen.

Ein Kuss besiegelte ihren Weg.

Sie begegneten sich auf Augenhöhe, in einer Welt die Menschen zusammenführt die Wenn und Aber verlachen.

Ein Veilchen nur für Ihn

Sie klingelte, während das Veilchen in ihrer Hand zitterte wie Espenlaub. Der Spion an seiner Tür überdimensional , wie die Kameras, die sie wie alte Wasserspeier von der Hauswand aus mit schnelldrehenden Köpfen anstarrten.

Die Tür öffnete sich einen kleinen Spalt….

„Bitte entschuldigen Sie den Lärm der letzten Nacht“, versuchte sie ein Lächeln und reichte ihm das Veilchen. Eine ruppige Bewegung und ein kurzes Danke später, waren Pflänzchen und Nachbar verschwunden.

Sie aber hatte es gesehen, ein winziges Lächeln eingeschlossen in einer einzigen Träne, wie es sein Gesicht erhellte.
Sein Freund der Besen, der Krawallmeier, schwieg von diesem Tage an.