Brummi auf Reisen

Es sind Tage wie diese oder auch Geschichten auf einem anderen Blog, in diesem Fall dem von Gabi Saler, der mich an eine eigene Geschichte erinnert hat.
Herzlichen Dank Dir fürs Erinnern.

So mag ich Euch heute ein kleines Abenteuer meiner Kindheit mitbringen.

Die Geschichte nahm ihren Anfang an einem regnerischen Tag im guten alten England.
Wir, wieder einmal meine Mama, mein Papa, meine Großmutter, und dieses Mal auch meine große Cousine waren auf dem Weg nach Schottland.
Meine Großmutter und meine Cousine wollten wir erst später am Flughafen abholen, so dass wir nur zu dritt im Auto waren. Ich war noch ziemlich klein. Mein Vater, ein nebenbei gesagt, begnadeter Autofahrer, der mit der Gelassenheit eines Elefanten schon so manche Passstraße bezwungen und auch schon andere Länder mit uns unsicher gemacht hatte, kam nun mit dem spontanen Seitenwechsel doch ein wenig ins Schwitzen.
So fuhren wir an die Grenze. Meine Mutter nervös, denn schließlich war der Rest der Familie noch in der Luft, mein Vater mit sich und der Reiseroute beschäftigt, und ich saß hinten im Auto und bestaunte das neue Land, in dem wir gerade erst angekommen waren.
Mein Vater zockelte im Schritttempo voran bis uns ein freundlich gestimmter Zollbeamter nach den Ausweisen fragte. Meine Mutter schob sie zum Fenster hinaus, wir lächelten alle brav und da geschah es:
„Könnte ich bitte auch den Ausweis der vierten Person im Auto sehen“, donnerte uns plötzlich die eben noch so freundliche Stimme an.
„Wir sind nur zu Dritt.“ antwortete mein Vater.
Zum Glück war sein Englisch ebenso schlecht wie sein Französisch, so dass uns die üblichen Witze meines Vaters darüber, dass der vierte Mann auch nicht tot im Kofferraum liegt, erspart blieben.
Verwirrt sahen wir drei uns an, als der freundliche Beamte uns nun schon wesentlich unfreundlicher aus dem Auto zitierte. Meine Eltern stiegen aus. Ich aber sollte erst mal sitzen bleiben, was ich auch brav tat. Eingeschüchtert krallte ich mich an meinem Lieblings-Teddy fest, als der Zollbeamte, mittlerweile echt ungehalten, die Anweisung gab, dass die zwei hinten im Auto nun aber bitte sofort ebenfalls aussteigen sollten. Ich bekam es mit der Angst zu tun, während ich seiner Zeichensprache folgend, vorsichtig aus dem Auto kletterte. Brummi, den überlebensgroßen Bären, ließ ich dabei nicht los und
langsam rutsche ich mit meinem geliebten Fellknäuel vor die Füße des Briten.
So schnell wie wir aus dem Auto glitten, breitete sich plötzlich ein Lächeln über das Gesicht des Mannes aus. Dann lief er rot an, während er zugab, dass er meinen Brummi doch tatsächlich für einen Menschen gehalten hatte.
Dann sah er mich an und meinte: „Aber einen Pass hat dein Freund trotzdem nicht oder?“
Mein Vater übersetzte und ich schüttelte nur traurig den Kopf. Der wollte doch nicht etwa meinen Brummi nicht in dieses komische Land lassen, schoss es mir durch den Kopf. Nein, das würde ich zu verhindern wissen und wenn ich mich dafür an den Bären ketten müsste. Während meine Gedanken meine Augen Blitze werfen ließen,
lachte der Mann amüsiert auf. „Na, das werden wir jetzt ändern,“ mit diesen Worten verschwand er. Als er kurz darauf wieder kam, hatte er einen Pass für den Bären dabei und überreichte ihn mir stolz. Er wünschte uns eine gute Fahrt und winkte uns noch hinterher.

Als wir ein paar Kilometer weiter gefahren waren, drehte sich meine Mutter zu mir um.
„Eins sag ich Dir, Fräulein. Wenn ich das nächste Mal sage, es geht aber nur ein kleines Tier mit auf Reisen, wirst Du gefälligst auf mich hören!“ Doch während sie noch polterte, sah ich sie schon schmunzeln.
Jedenfalls erzählten wir die Geschichte von Brummi und dem Pass oder wie ein Bär nach England reiste, jedem, der sie hören wollte oder auch nicht.
So ist eben heute der Tag gekommen, an dem ich sie Euch erzählt habe.
Übrigens, Brummi hat noch heute einen Ehrenplatz im Musikzimmer meiner Mutter und der Pass des Bären steckt als Trophäe in einem der vielen Fotoalben.
Brummi selbst erfreut sich bester Gesundheit und ist in die alten Schlafanzüge meines Sohnes hinein gewachsen. Seine schwarze Schnauze mussten wir allerdings viele Male suchen und neu annähen. Drei Generationen haben bis heute ab und an einmal ein Tränchen in seine starken Schultern geweint. Und er, weit gereist wie er ist, lächelt milde und brummelt, wie in alten Tagen, leise vor sich hin.

Und nur für den Fall das jemand die Geschichte nicht glauben mag, anbei ein Bild der Einreiseerlaubnis meines Bären ins Vereinigte Königreich aus dem Jahre 1979.

einreise-brummi-4

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15 Gedanken zu “Brummi auf Reisen

    • Liebe Ulli,

      herzlichen Dank und wie schön, dass ich Dich anstecken konnte und Deinen Tag der sich nun langsam dem Ende neigt, noch ein weiteres Lächeln ins Gesicht zaubern durfte. Und tatsächlich, wie am Morgen bei Dir geschrieben, hat sich dieser Tag bei mir von nichts beiirren lassen und lächelt immer noch. 🙂

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