Königin der Nacht

Durstig trinken wir den Tau
unserer Erinnerung
im Trockenwald des Lebens.
Warten auf die Königin der Nacht.
Hoffend, dass sie ihre Sterne
in den Tag wirft,
der auf das Gestern folgt.

Wir sehen das Dunkel
bis sie ihre Blüte öffnet.
Hell strahlt sie
in unser Schwarz.
Stirbt stets aufs Neue
bevor der Tag anbricht.

Wir aber warten,
bis sie ihre Sterne erneut
in den Himmel hält.
Und sei es nur
für diesen einen Wimpernschlag
der Hoffnung in unserer Zeit.

Schatten im Fluss

Liebevoll küsste er ihr Haar,
legte die Hand auf ihre Wange,
stand ganz still.
Lange sah sie in seine Augen,
legte ihre Hand auf seine Wange,
stand ganz still.

Aus der Stille wurde Ruhe.
Sie legte sich sachte über den Tag,
nahm sie bei der Hand,
wurde zu Gelassenheit.
Als die Gelassenheit sich breit machte,
öffneten sie sich.
Lebenslust schwang in ihren Worten,
als sie los gingen.
Liebevoll küsste die Sonne ihre Schatten,
die sie in den Fluss trugen.

Gedanken letzter Stunden

Ich sitze hier bei Dir,
sehe Dich, spüre Dich,
versuche Dir Angst zu nehmen.
Der Raum verschwindet,
Du und ich in der sicheren Hülle,
unserer Liebe bleiben.
Sekunden, Minuten, Stunden vergehen.

Ich sitze hier bei Dir,
Du schläfst.
Wenn Du erwachst,
siehst Du mich an,
mit den fragenden Augen eines Kindes,
dem man seine Welt genommen hat.
Wenn Du mich erkennst, lächelst Du,
schließt die Augen,
schläfst ein.
Ich nehme Deine Hand,
begleite Dich ein Stück,
um mich an der Pforte sanft
von Dir zu lösen.

Ich sitze hier bei Dir,
dein Weg ist kein leichter,
doch schon bald wirst Du erkennen,
wo Du ankommen wirst.

Ich sitze hier bei mir,
bleibe zurück,
mit dem festen Glauben,
das Liebe eine Kraft ist,
die uns tragen und ertragen lässt.

Der kleine Zeh

Ein kleiner Zeh,
versteckt die kleine Seele.
Sie lebt sorgsam verborgen.
Selten schaut sie
nur für Sekunden
in die Welt.
Weicht ängstlich zurück
bleibt unentdeckt.
Auf kleinstem Raum
fliegt sie frei.
Überlebt bis der Sommer kommt.

Jemand findet einen Fuß,
streift die Socke ab
und hält den kleinen Zeh
in die warme Sonne.
Warm wird der kleinen Seele
mutig schaut sie hervor
kehrt an der Hand mit der Socke
zurück ins Leben.

Sachte zieht sie
die Tür zum kleinen Zeh
hinter sich zu.
Sie fliegt frei.
Der kleine Zeh aber bleibt
auf Schritt und Tritt
an ihrer Seite.

> Mein Dank fürs erinnern an Arno von Rosen

Die kleine Seele

Kleinkarierte Socken

Kleinkarierte Socken an den warmen Füßen, stieg ein Mann des Nachts über die hölzernen Stiegen hinauf in den Glockenturm der alten Kirche. Der Pullunder über dem kratzigen Hemd ließ seine Gesichtszüge in ein wohlbekanntes Muster fließen. Mundwinkel zeigen zum Boden, die Augen zu Sehschlitzen geformt, nahmen die Zornesfalten zwischen den Brauen ihren Platz ein. Es war tiefe Nacht als er die letzte Stufe erklomm und die schwere hölzerne Tür öffnete.

Schwarze Schatten zogen durch den zugigen Turm und tanzten, wie jede Nacht, auch heute vor dem fast vollen Mond. Nur der eine von ihnen an der gegenüberliegenden Wand schien ein anderes Spiel zu spielen. Er löst sich von der Mauer und dreht sich wie ein Kreisel um die eigene Achse. Der alte Mann erstarrte vor Schreck und grub die kleinkarierten Socken in den alten Dielenboden. Mit furchtsam weit aufgerissenen Augen versuchte sein Blick dem Spiel zu folgen, schafft es aber nur mit Mühe. Keine Form war auszumachen, keine Größe einzuschätzen.

So stand er da, der Alte, und staunte. In seiner Welt war doch alles zählbar, messbar oder zumindest zuzuordnen. Und in genau fünf Minuten musste er die alte Glocke läuten, um dem Ort die mitternächtliche Stunde zu schlagen. Der Schatten färbte sich derweil hellrot, blutrot, orange. Veränderte die Form erneut, verzog sich zuletzt zu einem breiten, Grinsen. Dieses schwang, so in Form gebracht, nun gelassen am Glockenseil.

Vorsichtig lösten sich die kleinkarierten Socken aus ihrer Starre, huschten hinüber zum Glockenseil. Die Arme des Mannes griffen achtsam nach vorne. Noch drei Minuten bis Mitternacht. Seine Hand umfing das Seil am unteren Ende und schob sich vorsichtig nach oben, wo der mittlerweile knallrote Schatten, so schien es dem Mann, noch immer hämisch grinste.

Die kleinkarierten Socken drehten den Arm, der Mann sah auf seine Uhr. Zwei Minuten noch bis zur vollen Stunde. Angstschweiß rann durch die Furche seiner Zornesfalte. Die Augenschlitze gaben nunmehr kaum noch einen Blick auf das Geschehen frei. So schob er die Hände weiter nach oben dem roten Schimmer entgegen. Gleich sollte es Mitternacht schlagen und nur er konnte es vollbringen.
Mit letzter Kraft und einem kräftigen Ruck zog er am Seil. Als dieses sich in Bewegung setzte, kam das Grinsen näher. Rutschte über die Hände des Mannes, über die Arme, am Herz vorbei, mitten in dessen Gesicht. Der erste Glockenschlag erklang und der Mann lauschte erleichtert dessen dunklen Ton. Er sah sich um, aber der Schatten, so schien es, war verschwunden.

Mitternacht war vorbei, aber der Mann saß noch lange auf den alten Bohlen und hielt Ausschau nach dem Schatten, der sich aber nicht mehr zeigte.

In den frühen Morgenstunden kletterten die kleinkarierten Socken schließlich doch die Stiegen des Glockenturms hinab. Der Angstschweiß war getrocknet und so holte der Mann mit ungewohnt weiten Schritten aus und trat ins Freie. Die Sonne schien ihm warm ins Gesicht, das Gras vor seinen Füßen wirkte auf einmal so viel grüner, so dass er Schuhe und Socken auszog und einfach stehen ließ. Mit schwingenden Armen ging er durch die Wiese und traf schließlich auf eine Schar ihm wohlbekannter Kinder. Doch streckten sie ihm nicht wie sonst die Zunge heraus oder machten aus sicherer Entfernung Witze über ihn. Nein, sie warfen ihm den Ball zu, den er völlig verdattert auffing. Da stand er, den Ball in der Hand und verstand die Welt nicht mehr, warf ihn zurück und ging durch den Wald hindurch nach Hause.

Dort sah er in den Spiegel und jetzt begriff auch er was geschehen war. Da war es – sein altes Lächeln, mitten in seinem Gesicht. Lachfalten zogen sich um die Augen, die ihn mit freudig erkennendem Blick aus dem Spiegel heraus ansahen. Selbst die Zornesfalten legten sich gelassen herzförmig neu zusammen. Er lachte laut auf und klopfte sich sanft auf die Schulter. Er hatte die Furcht überwunden und sein Lächeln umgab ihn nun wieder mit all den roten Tönen, die er so lange vermisst hatte. Was in so einer Blutmondnacht nicht alles passieren kann.

Ein wenig später kam eine Frau auf der Wiese vor dem Glockenturm vorbei, fand die kleinkarierten Socken und die Schuhe, schlüpfte hinein und ging mit kleinen, akkuraten Schritten davon.

Blutmond 3

 

Der buchstäblich berechnende Säbelzahntiger

„Seltenheitswert besitzen diese Schuhe nicht, nicht einmal ein mir vertrautes Leder“ sprach sie und trat mit voller Wucht gegen die beiden Schuhspitzen. Sekunden später flogen diese mit der brachialen Gewalt eines Tornados der Zimmerdecke entgegen. „Ach“, ging es Mandy durch den Kopf, als die beiden Geschosse schon mit einer das Trommelfell schädigenden Geräuschkulisse den großen Kaktus im Wintergarten zerteilten, und in die diesen eben noch umgebenden Blumenerde einsackten. Mandy besah gelassen den Schaden, nahm ihre Zigarettenspitze heraus und zündete sich eine ihrer geliebten Zigaretten an. Während sie sich ihre Füße anschaute und feststellte, dass kleine Sägen die Schuhspitzen krönten. Leise hörte man sie murmeln: „Doch ein Alleinstellungsmerkmal.“ Unterdessen schickten sich die ersten Rauchwolken an, in Richtung der Zimmerdecke zu entfliehen und sich dort gleichsam wieder aufzulösen. Nachdenklich sah sie ihnen nach, und fragte sich nun doch, „wenn nicht hier, wo dann bitte Luigis Füße nun ihr Unwesen trieben?“ Gedankenverloren ging sie zur Haustür, lächelte noch ein letztes Mal in den sie eben noch umgebenden Raum und bemerkte erst als die die Tür hinter ihr ins Schloss fiel, dass Blut ihre Zehen durchtränke und ihre Schuhe in einem unmodischen Farbenspiel schimmern ließen.

Ihr wurde schwarz vor den Augen und sie sank in sich zusammen. Als sie wieder zu sich kam, schien die Welt um sie herum in weite Ferne gerückt. „Unendlich still ist es in der Unendlichkeit…“ war der erste Gedanke, der ihr in den Sinn kam. Sie wusste nicht, warum sie ihn gedacht hatte. „Nur ein kleines Missverständnis und eine Kreislaufschwäche“ verlautete eine freundliche Stimme aus einem weißen Kittel und eine Hand tätschelte Mandy beruhigend die Wange. „Sie wurden hier ohne Papiere eingeliefert und im Laufe der Untersuchung hat Ihnen jemand versehentlich die Krankenakte einer anderen Patientin mitgegeben. Es wird sich alles aufklären. Ihre Angehörigen haben sich bisher noch nicht gemeldet. Vielleicht können wir sie nun mit Ihrer Hilfe verständigen.“ Die Stimme samt weißem Kittel entfernte sich ein paar Schritte und ließ weitere Fragezeichen im Raum stehen.

Sachte griff Mandy nach dem ihr nahestehenden Fragezeichen, umschloss es sanft mit ihrer schwerfälligen kleinen Gips Hand und zog es näher an sich heran. Auf Augenhöhe ließ sie es stehen und bemerkte, welch wunderbare Form es zeigte. Der große Punkt am unteren Ende, sah nach einem Abschluss aus, der sich ihr aber nicht erschloss. Wild begann sie mit den Wimpern zu klimpern, um Bewegung in die sich ihr nicht erschließende Form zu bringen. Da begann sie zu lächeln und schob behutsam das Fragezeichen zurück an seinen Platz. „Nein, es war nicht die Zeit für Fragen.“ Mit diesen Gedanken glitt sie Minuten später zurück in einen erholsamen Schlaf und in ihren Traum. Lediglich das Fragezeichen kam nicht zur Ruhe und begann, wild die Farbe wechselnd zu blinken. Dann wurde es blass und ein mehr als zwei Meter großes I nahm seinen Platz ein. I wie Igitt, wie Irrsinn. Sie zuckte angsterfüllt zusammen und schoss in Windeseile zurück unter die strabbelige Decke. Erst Minuten später, in der Annahme der Spuk wäre vorbei, schob sie sachte ihren Haarschopf wieder hervor. Wie kleine Antennen krabbelten ihre Haare in den Raum und versuchten Sonden gleich, erste Signale aufzufangen. Nichts, Totenstille, nur der sterile Geruch des kalten Raumes kroch ihr unangenehm in die Nase und verführte sie zu einem vorsichtigen ersten Blick in die Wirklichkeit, der seine Wirkung nicht verfehlte. „Inkarnation“ zischte das neugeborene I in ihre Realität. „Ich hätte da mal eine Frage“ vernahm sie gerade noch, als plötzlich Musik einsetze und das wilde, ungestüme I in ein J verwandelte. J wie Jagdfieber, wie Jadegrün, wie Jaguar. „Mein Auto, wo ist mein Auto?“ wollte nun auch noch der Mann im Ohr von ihr wissen. Das war zu viel.

Das J verformte sich langsam weiter und platzierte sich punktgenau vor die nächstbeste frei im Raum stehende Frage. Allerdings stand es nun auf dem Kopf. „Hola ¿Qué tal?“ vernahm Mandy danach und bemerkte sogleich, dass sich ein zweites Fragezeichen am Ende des Satzes hinzugesellt hatte. Wer redete sie denn auf einmal in einer fremden Sprache an?

Mandy stand mitten im Raum und traumlos formulierte sie mühsam eine Antwort. „Wo Fragen sind müssen Antworten her“ ließ ihr Gefühl sie denken. „Gefühle, die denken“, das nun wieder war ihr völlig neu. Elfengleich zog sie schwebend den dekorativen grünen Kittel mühsam über ihren Pobacken zusammen. „B wie bereit“ meldete sich ihr Gefühl erneut. „Bereit?“ „So ein blubbernder Quatsch“ quoll es aus ihr hervor. Das Alphabet begann zu tanzen und brachte doch keinen Takt in die denkenden Gefühle. So kam, was kommen musste. Mandy ergab sich ihrem Gefühl und stellte das aufgedrängte Denken ein. A ffenzirkus, B ärentanz, C hamäleonfarbwechsel, D enkpause…….Schlaf ohne Fragezeichen.

So entkam sie und rannte immer tiefer in ihr Bettchen unter die Decke, in sich hinein. Kein einziger Buchstabe, der sie mehr quälte. „Z wei“ beendete sie die Kette der Buchstabenreihe, bevor nun genau diese Zahl begann, irrwitzige Zahlenreihen zu gebären, die ab und an von einem Zeichen begleitet ihr vorrechneten, wo es hinging. Zuletzt stand sie vor einer Tür, darauf stand „00“. Stimmt, durch diese Tür wollte sie doch schon vor Stunden, verlor sich auch dieser Gedanke, während weitere Nullen sich eifrig dazu gesellten. 0000000000 liefen die eiförmigen Dinger so lange vor ihren Augen umher, bis sie Eier sah. Bio-Eier, sie bekam Hunger. Doch schon verliefen die Eier bis zur Unkenntlichkeit, um kurz darauf in neuer Gestalt zu schwirren.
€€€€€€€, schienen sie sich der Welt zu öffnen, dann sah Mandy nur noch $-Zeichen und diese fingen zu allem Überfluss damit an, Bilder an die gegenüberliegende Wand zu werfen, bis schließlich ein klares Bild entstand.

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„Luigi!“ schrie sie, während sie sich aufsetzte. „Er ist hier.“ „Luigi!“ klang es ein weiteres Mal, bevor sie zurück in ihre Kissen fiel und sich dem Schicksal des Grauens übergab. „Ein Säbelzahntiger, ich habe es gewusst.“ nuschelte sie undeutlich, während ihre Arme erneut unkoordiniert durch die Luft fuhren, um dem Tiger sein Halsband anzulegen. Ein leises *Groarrrrrrrrrrr* stürmte ihr aus dem offen stehenden Maul entgegen, da war der Kampf auch schon vorbei und er geflüchtet.

Luigi stand wie aus dem Nichts hereingetreten an ihrem Bett, seine Hand auf ihrer Stirn, und lächelte. „40° und mehr“ bedeutete er ihren wild zuckenden Augenlidern. Wie auf Samtpfoten lief er zum gegenüberliegenden Fenster und zog den Vorhang beiseite, um erste Sonnenstrahlen herein zu lassen. Diese aber mischten sich unter Mandys Augenlidern zu einem Höllenfeuer und sie begann, mit Armen und Beinen zu fuchteln, löste sich dabei unmerklich von ihrer Decke, und bevor Luigi zurückspringen konnte, platschte sie mit einem lauten Knall, aber einer gekonnten Landung vor seinen Füßen auf den Boden. Zu seinem Erstaunen lächelte sie nun mit offenen Augen von unten herauf, strahlte ihn an und hielt ihm ihr Kopfkissen entgegen. „Ich habe ihn, schau mal.“ wedelte sie mit dem verschwitzten Kissen vor seiner Nase herum. Beherzt griff Luigi nach dem vermeintlichen Säbelzahntiger, schmiss ihn zurück auf das Bett und sich heldenhaft darauf. Schließlich reichte er Mandy die Hand, zog sie herauf und kippte sie zurück auf ihr Krankenlager. „Schau, ich habe ihn gebändigt, nur für Dich Sonnenschein.“ flüsterte er, unter vorgegaukelter strengster Geheimhaltung, in ihr Ohr. „Ich lasse ihn bei Dir, er wird Dich bewachen.“ lachte er leise auf, während er rückwärtsgehend das Zimmer verließ.

Mandys Augen strahlten den Tiger an. Sie warf ihre Lockenmähne auf seinen breiten Rücken, während das Fieber ihr sanft die Augen wieder schloss. „Komm her, Du verrücktes Tier.“ hörte man sie noch murmeln, als die ersten Schnurchelgeräusche zu vernehmen waren und man zusehen konnte, wie sie in einen vielleicht letzten erholsamen, nun traumlosen Schlaf fiel.

In Gedenken an Waltraud.
Auch heute noch mein Dank an sie, nicht nur für diese gemeinsame, herrlich fiktive Reise.

Jim Croce – Time In A Bottle

 

Blindflug durchs Leben

Ihr Geist schwirrt frei,
um Ecken und Kanten.
Stößt sich den Kopf.
Sie sieht was sie sieht,
versteht was sie sagt.
Sie schweigt.

Ein Kind, eine Frau,
mit Ecken und Kanten
formt sich neu
jeden Tag, jede Stunde,
jede Sekunden in ihrem Stundenglas.

Wenn sie zurück sieht
sind es Bruchteile
ihres Lebens.
Die Zukunft voraus
verliert sie sich.

Sie blitzt Dich an,
versteht und wendet das Stundenglas.
Sie eckt an
löst sich auf.
Doch schon Morgen vielleicht
kehrt sie zurück.
Steht da und findet nicht
was sie erinnert.
Denn ihre Uhr läuft anders.

Ihr Geist schwirrt frei
um Ecken und Kanten
im Blindflug durch ihr Leben.

Stundenglas