Wasserläufers Gedankenrettung

Ein Blick in die Tiefe einer Pfütze und kein Land in Sicht.
Da fährt ein Papierboot an mir vorbei dem Horizont entgegen.
Meine Gedanken steigen zu.
Ein Windhauch streift sich an Erinnerungen ab, es frischt auf.
Eine Wasserläuferfamilie fegt über die Oberfläche,
zieht sich an der Reeling hoch und blickt mich an. Ich schaue zurück.
Ferne Ufer grüßen, winkend mit frühlingsfrischen Grasarmen.
Das Papier schneidet die Welle und fährt ziellos in einen achtlos
liegen gelassenen Wasserbecher.
Sturm zieht auf, doch hier ist es herrlich still.

Als plötzlich ein spielender Kinderfuß aus dem Nichts, fußüber
den Becher samt Boot zermalmt.
Zu spät um das Rettungsboot meiner Gedanken zu Wasser zu lassen.
Sie springen über Bord, klammern sich an des Wasserläufers Beine.
Er trägt sie sorgsam zurück zu mir.

Ich nehme sie auf und wandere weiter. Über meine Schulter
haucht der Wind mir das Lachen meiner Kindheit,
das Geräusch quietschender Gummistiefel, nach.

Zuhause falte ich eine Origami-Wasserbombe und fülle Wasser hinein.
Meine Gedanken springen hinterher.
Das Fenster öffnet sich von alleine, mein Arm streckt sich
und wirft.

Meine Gedanken winken mir ein letztes Mal lächelnd zu und machen sich
wieder auf die Reise.

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Bücherwände

Ein Auge blinzelte müde unter den langen Wimpern hervor. Und starrt.
Wohin vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht durch die Wand, falls der Blick
es schafft, die Bücher zu durchschauen, die sie verstellen.
Eingekerkert in Bücher. Ist das ein schöner Gedanke? Auch darüber
muss ich nachdenken. Wobei, es wäre ja ein selbstgewähltes Gefängnis
in diesem Fall. Das Auge klappt vollends auf und starrt wie zuvor.
Wohin nur? In Blickrichtung steht ein Buddha, sorgsam umarmt von
weiteren Bücherstapeln. Eigentlich egal wohin das Auge starrt, denn beides
richtet das nach vorne starrende Auge doch stets auch nach innen.
Macht Sinn. Beginnt nicht jede unserer Reisen immer genau hier?
Wenden wir uns dem Unbekannten nicht erst zu,
wenn wir uns mit einem Blick nach innen vergewissert haben,
dass wir uns im Gepäck haben?

Das Auge klappt zu. Was war das?
Vielleicht nur eine kurze Unterbrechung des eigentlichen Traums.

 

Heute

Heute lese ich in mir
was mich Morgen erwartet.
Heute höre ich
die Stimmen der Vergangenheit
wie sie mir vom Gestern erzählen.
Heute bin ich wach
wenn die Augen sich
erst einmal öffnen.

Heute tanze ich um mich
herum, tief in mich hinein.
Heute singe ich für mich
das was mich trägt.
Heute lebe ich
mein Leben
Heute gehe ich
vorwärts
wenn ich erst mal
aus der Dusche komme.

Heute werfe ich Wörter
in meine Welt
Sie legen sich zusammen
und erzählen mir
von mir.
Vielleicht lerne ich mich
morgen neu kennen.

CIMG1796 - Kopie (3)

 

SANftmut

Wie leise Wellen
schlägt er ruhig
an deine Ufer an.

Wiegt Dich sacht
mit leisem Ton
versuch ihn nicht zu fassen.

Ein Lösen und Lassen
ist der Freude Quell.
Wenn deine Welt
an meine rückt
dann bitte sachte
mit Bedacht.
Denn ich der MUT bin so verzückt
hab SANFT mit Dir gelacht.

Schau mich an und seh dort Dich
dein Spiegel mag ich sein.
Schau Dich an und seh dort mich
SANftmut macht uns nicht klein.

Dein Schmunzeln

IMG (4)

Du siehst mich an.
Ich sehe in Dir meinen Sohn,
finde mich.

Am Tag als Deine Augen
mich verloren
ging mein Herz auf
und nahm Dich mit mir.

Wenn ich Deinem Bart,
dicht, eisgrau, nachspüre
werden meine Hände noch
immer warm.

Wird es mir schwer,
denke ich an Dein Schmunzeln
und ziehe Kraft
aus der Erinnerung.

Wie in meiner Kindheit
bist Du voraus gegangen,
damit ich die Angst
vor dem Unbekannten verliere.
Ein schöner Gedanke,
der mich schmunzeln lässt.

Salzige Augen

Früher sah ich das Meer
die Gischt mit ihren Wellen.
Schmeckte Salz
ahnte Fisch, tauchte ab
um aufzutauchen.
Früher saß ich auf Felsen
spürte ihre Form gab nach
beschrieb meine Welt.
Damals als das Meer
nach mehr klang
und der Grund der Tiefe
unbekannte Höhen barg.

Heute sehe ich das Meer
es tost in meinen Ohren.
Die Wellen treiben
salzige Augen auf die Gischt.
Vor den Horizont
legt sich ein Bild.
Das alte Meer trägt schwarz
und die Farben
der salzigen Augen
ziehen ihre Bahnen
über die Felsen
in mein Herz.