Ein Veilchen nur für Ihn

Sie klingelte, während das Veilchen in ihrer Hand zitterte wie Espenlaub. Der Spion an seiner Tür überdimensional , wie die Kameras, die sie wie alte Wasserspeier von der Hauswand aus mit schnelldrehenden Köpfen anstarrten.

Die Tür öffnete sich einen kleinen Spalt….

„Bitte entschuldigen Sie den Lärm der letzten Nacht“, versuchte sie ein Lächeln und reichte ihm das Veilchen. Eine ruppige Bewegung und ein kurzes Danke später, waren Pflänzchen und Nachbar verschwunden.

Sie aber hatte es gesehen, ein winziges Lächeln eingeschlossen in einer einzigen Träne, wie es sein Gesicht erhellte.
Sein Freund der Besen, der Krawallmeier, schwieg von diesem Tage an.

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Krieg im Kiesbett

Schritte knirschten im stampfenden Takt, taktlos den Weg zum Haus herauf.
Wortfetzen die Angst machten, drangen an ihr Ohr. Nur sie, ihre Tochter und die Enkel waren noch am Leben.
Die Großmutter griff nach der Waffe, postierte sich am Fenster, nur als Schatten
von Außen zu erkennen. „Ich schwöre Euch, noch einen Schritt weiter und ich verleihe dem Gewehr Leben, Leben das Euch töten wird,“ spie sie in die Nacht hinaus.
Stille, dann hörte man wie sich die Schritte entfernten…
Sie nahm den Besen herunter und begann ihre Angst weg zu fegen.
Alle haben überlebt, denn ihre Waffe war Mut.

Die Gier

Schwarzglänzend thronte sie inmitten des Tisches, zwischen Weinkaraffen und Oliven.
Zwei Augenpaare zogen durch den Raum, fixierten die schwarze Gestalt, die nur eine Armlänge entfernt unbeweglich verharrte.
Hände glitten über den Tisch, suchend. Atemgeräusche wurden lauter, Nasenflügel begannen zu beben, als es geschah….
Eine Hand ergriff die schwarze Gestalt, mit eisernem Griff.

Neeeeeeeeeeeeein!“ Ein letzter verzweifelter Schrei von der anderen Tischseite, als er dem schönen Tier gerade den Kopf abbiss.
Das war die letzte ihrer Art“, setze die Stimme verzweifelt nach, als man schon die malmenden Zähne hörte.

Sie aber hatte an diesem Abend, die letzte Lakritzkatze an ihn verloren.

Nach Dir

Nach Dir

habe ich mich nicht mehr gespürt.
Meine Sinne hatten sich ergeben
in der Kälte, der toten Jahre.

Als ich ging, war ich schutzlos.
Du überall Du Tag und Nacht.
Angst kroch in mir empor.

Als ich meine Tür hinter mir zu zog
kam das Lachen zurück.
Es hatte dort
hinter der Tür gewartet
bis ich sie durchschritt.

Als ich meine Tür schloss
erwartete mich ein Geschenk.

Ich war schon da
lächelte und sprang in mich hinein.
Mein altes Ich
hatte all die Jahre auf mich gewartet.
Es wusste ich würde kommen.

Mein Ich
schenkte mir
Lebensfreude, Kraft und Energie
die mich heute wieder selbstbewusst und frei
hier stehen lassen.

Mein Leben fand mich
lehrte mich Vergebung und Demut.
Mein Leben ist wieder reich
an Gefühlen, Emotionen und Glück.

Mein Rücken gerade
meine Schultern trage ich.
Mein Hals trägt meinen Kopf aufrecht.
So schlägt auch das Herz in meiner Brust.

Meine Augen sehen
neugierig in die Welt.
Mein Lachen laut
mein Lächeln sanft.

Meine Ohren offen
für die Geschichten der Welt.

Meine Nasenflügel beben wieder
meine Seele
die sich im kleinen Zeh so lange versteckte
geht wieder auf Reisen.

Wenn ich zittere
dann nicht aus Angst.
Wenn ich schreie
dann nicht aus Furcht.
Wenn ich weine
dann vor Glück.

Nach Dir
bin ich als Mensch
so viel reicher.

Eigentlich müsste ich Dir danken.
Doch dafür reicht die Demut noch nicht aus.
Dein Lied ist verklungen
nur noch leise klingt in mir nach was war.

Nach Dir

Das Experiment mit der Zeit

Sie stand mit ihrer Bol wie jeden Morgen an der Balkontür. Hinaustreten war in ihren kuscheligen schwarzen Socken nicht möglich, denn ein Rinnsal neben dem anderen überquerte die Fliesen, um sich an den Seiten zu sammeln und die einladende Stätte ohne Überdachung wieder zu verlassen. Nicht ohne wechselseitig ein leises *Platsch*, von sich zu geben. Vorsichtig schob sie einen Zeh hinaus. „Nur einmal den Boden berühren“, waren ihre Gedanken, als der Zeh langsam durchweichte. Ruckartig zog sie ihn zurück, während sie über sich selbst lächelte. Unternahm sie doch diesen Versuch jedes Mal wenn es regnete und jedes Mal mit demselben Ergebnis. Doch diese Zeit und diesen kleinen Glückmoment wenn sie den klitschnassen Zeh auf das Parkett klatschen lies, bevor sie ihre Socken wechselte, wollte sie sich nicht nehmen lassen.

Zehn bewusst lang ausgeführte Schritte, führten sie zurück in den Raum. „Raum und Zeit“, plätscherten ihre Gedanken in ihre ersten wachen Minuten. Sie war auf dem Weg in die Küche, als die Kirchtürme und derer befanden sich gleich drei in ihrem Blickfeld, aufmachten die volle Stunde einzuläuten. „Zeit in Tönen, eine schöne Vorstellung“, lächelte sie sich selbst im Küchenfenster zu, während sie die Kirchturmglocken bei ihrer Arbeit beobachtete. „Schon komisch“, dachte sie. „Wenn man da steht und spürt, dass Zeit kommt und geht und irgendwo dazwischen, springt man rein in seine Zeit und schwimmt ein Stück ganz bewusst mit.

Eine Kaffeetasse später war sie bereits in den nächsten Gedanken eingetaucht. Ihr wurde mit einem Mal klar, dass Zeit erleben eigentlich nichts anderes war als Wellenreiten. Man sieht die Welle kommen, man spürt ihren Sog und schwingt sich mit viel Glück darauf, um sie ein Stück zu begleiten und sich von ihr tragen zu lassen. So beschloss sie in den nächsten Minuten, die Zeit einmal bewusst wahrzunehmen. Schließlich ist sie es ja auch, die uns mitnimmt durch das Leben. Sie schüttelte sich bei dem Gedanken, neben dem aufgeweichten Zeh auch noch die erste Welle zu verpassen und baden zu gehen. Zur Sicherheit stellte sie die Bol auf dem Tisch ab und stellte sich bewusst mit beiden Beinen in die Erde verwurzelt, mitten in ihr Wohnzimmer. Als sie die Augen schloss, hörte sie das leise Rauschen der Waschmaschine, den morgendlichen Treppengang in der Nachbarwohnung, den Marder aus dem Nebenhaus, aber die Wellen der Zeit blieben stumm.

Sie aber hatte sich etwas in den Kopf gesetzt und wenn dem so war, dann konnte sie durchaus viel Geduld aufbringe. Die Waschmaschine schwieg, einen kurzer Moment der Stille trat ein. „Wo ist nur der Sog, den sollte ich schon spüren oder?“, klopfte es leise an ihre Stirn. Zeit, Sog, Wellen, Jahre, Monate, Tage, Stunden und mittendrin stand sie, genau jetzt im Hier. „Hier läuft die Zeit immer noch vor mir her“, knurrte sie sich und ihr Experiment leise an. Dabei schob sie sachte den nassen Zeh nach vorne. Die Hoffnung mit geschlossenen Augen auf diesem Weg, die Welle zu erspüren, klappte auch nicht. Dafür stand sie nun reichlich unbequem, wie eine Ballerina, die mitten in einer Figur erstarrt war im Raum. „Also zurück in die Ausgangsposition“, befahl sie ihrem Körper, der wenigstens zu gehorchen schien. „Also noch einmal, es muss doch nur so wimmeln hier von Wellen“, spornte sie sich selbst an. „Schließlich läuft die Zeit doch“, bestätigte sie sich sofort mit einem Blick auf die Uhr. Ein bisschen fühlte sie sich langsam aber sicher wie ein Schwimmer im Nichtschwimmerbecken. Wo sollten denn die Wellen herkommen, wenn das Wasser keine Tiefe hatte. Tiefe brauchte sie also. Sturm in einem Wasserglas klappte aber doch auch oder? Sie konnte doch schließlich nicht, um das richtige Gefühl zu bekommen, dass ganze Wohnzimmer fluten. „Schnapsidee“, pflaumte sie sich selbst an. So komme ich der Sache nicht auf den Grund.

Traurig schüttelte sie erneut unwillig den Kopf. Da hatte sie vor Jahren schon sämtliche Armbanduhren abgeschafft, um sich nun doch wieder mit Zeit zu beschäftigen. Ohne Uhren, hatte sie es zumindest geschafft, Vorfreude mit einer gewissen Spannung zu füllen. Doch auch dieser Trick brachte nicht mehr wirklich was, seit Handys Einzug in ihr Leben gehalten hatten. „Überall wird einem mittlerweile die Zeit vorgehalten“, dachte sie traurig. „Wie soll man denn die Wellen der Zeit finden, wenn man sie überall bewusst gefangen hält. Uhren, Zeitzonen, Jahreszahlen, Geburtstage…… mitten in diese Gedanken, breitete sie die Arme aus, setzte sich in Bewegung und ihr befreites Lachen dröhnte durch das Haus, als sie mit ausgebreiteten Armen die Treppe hinauf ins Bad schwebte. „Was geschehen war?“ fragt ihr Euch.

Ganz einfach, sie hatte es begriffen. Sie stand doch längst auf ihrer Welle und das schon seit dem Tag ihrer Geburt. Ihr Leben lief mit ihr und ihre Zeit eben auch. Sie kannte ihre Welle und all die sie umgebenden Wellen. Solche die sich auftürmten und lange Zeit neben der ihren liefen, solche die sacht vorüber plätscherten. Genauso wie die, die aus dem Nichts kamen in dem sie auch wieder verschwanden und solche die sich irgendwo brachen und in viele kleine Wellen zerfielen. Die Arme noch immer ausgebreitet stand sie vor dem Spiegel. „Meine Zeit, mein Leben und meine Erfahrungen,“ grinste sie sich frech im Spiegel an, bevor sie in die Klamotten sprang, die Haare kämmte und sich aufmachte, sich mal wieder dem Sturm der Zeit zu stellen.

Mein inneres Ich

Mein inneres Ich
fand mich als ich mich bewegte.
Weit fort von mir blickte ich zurück
zog die Schultern hoch und zuckte.

Augenblicke nur einen Wimpernschlag lang
verlangsamte sich die Welt.

Eine Tür öffnete sich lies mich tief schauen
hinein ins Dunkel.
Weiter vorne ein Licht.

Da saß es auf seinem Kinderstühlchen
lächelte milde
dann breiter
begann zu kichern.

Es ist was es immer war
ein Spiel

Seine kleine Hand griff nach mir
zog mich fordernd heran.
Erhob sich und lies mich Platz nehmen.

Ich sprang auf das Stühlchen die Türen flogen zu.

So fand mich mein inneres Ich.

Lebenslauf

Wach hat der Morgen mich gerufen,
Ich klettre hinein auf vielen Stufen.
Auf der Mitte vieler Stiegen,
glaube fast ich könnte siegen.
Doch stolper gern auf Stufe Sieben.
Wo ist nur mein Mut geblieben?
Hüpfe weiter auf die Acht,
halte Wacht.
Schließlich auf der Neun,
ich leis Steine beiseite räum.
Da plötzlich Stufe Zehn,
sollte wohl bergab hier geh‘n.
Drum überspring ich sie geschwind,
auf Stufe elf, gleich einem Kind.
Nun bin ich auf die Zwölf gehopst,
ein kleines Glück hab ich gemopst.
So springe ich jeden Morgen wieder,
alle Stufen stets hinauf,
da schaut das ist mein Lebenslauf.